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Hier findest Du den Text „Kunst, Kultur und gute Beziehungen“ , gestaltet als kleine A5 Broschüre.

Interview mit Ulf Freyhoff

Interview mit Ulf Freyhoff et al./ Institut für Telenautik anlässlich der Internationalen Abriss Ausstellung (IAA) in der Jaffestraße/Wilhelmsburg

Das Interview führten Ulrike Väterlein und Oliver J. Haas vom institut.was

Telenautik: Wir hatten am Wochenende hier eine Versteigerung. Da haben wir auch den IBA-Katalog versteigert. Den neuen. Aber zuerst haben wir ihn noch durch den Kakao gezogen, sozusagen. Einmal durchs Feuer, durch den Matsch, und dann sind wir noch darauf herumgetrampelt. Und dann haben wir ihn versteigert. Für 3 Cent ist er weggegangen.

Scheint ja sehr beliebt gewesen zu sein.

Ja, ging sofort weg.

Ihr habt euch ja nicht beworben für den IBA Kunst- und Kultursommer.

Wir haben es überlegt, uns aber dagegen entschieden.

Warum?

Weil wir nicht wollten, dass jemand anderes unsere Ideen benutzt und sich das dann auf die Fahnen schreibt, wie auch in dem Umfeld schon geschehen. Wir haben darüber gesprochen, hatten auch mal ein Projekt vorgeschlagen, ein Funk-Netzwerk-Projekt…

Was für ein Projekt?

Ein Funk-Netzwerk-Projekt, also eine Infrastruktur für beteiligte Künstler übers Internet, mit direkter Dokumentation. Das war mal eine Idee, aber wir haben uns dann aus verschiedenen Gründen dagegen entschieden, u.a. weil die ganze Sache dann von ÜNN gemanagt wurde und wir mit den Herren schlechte Erfahrungen gemacht haben.

Und wie wird das von euch wahrgenommen? Es sind doch unheimlich viele Künstler von der IBA gefördert worden, wenn auch im Einzelfall nicht immer mit großen Summen. Wie kommt das allgemein bei euch an?

Es gibt da ein bisschen Streit. Innerhalb der Hochschule [HfbK] gab es z.B. eine Einladung zu einer Ausstellung über den Hochschulverteiler, von den boykottierenden Studenten, denen die Exmatrikulation droht. Da hieß es „Juchuh, endlich Freiheit, wir gehen woanders hin.“ Da habe ich eine Antwort geschrieben, von wegen die streiken gegen Studiengebühren und gehen dann zu den Stadtentwicklern, das kann es auch nicht sein. Das habe ich mehr als Mitteilung geschrieben, und da waren die, die bei dieser Ausstellung mitgemacht haben, richtig stinkig. Von wegen, wer ich denn wäre, ich könnte doch jetzt nicht von vorneherein über jemanden urteilen, der sich von der IBA sponsern lässt. Wenn das okay läuft für die Leute am Ende, dann ist das legitim, klar, was vom Kuchen abhaben zu wollen. Wir gesagt, wir haben ja auch darüber nachgedacht. Aber wir haben vorher schon schlechte Erfahrung gemacht mit denen, und alles, was man jetzt hört von den Leuten, die da teilgenommen haben, und mit wem man auch spricht, scheint genau die Scheiße passiert zu sein, die man erwartet hat.

In welcher Form?

Dass der Support z.B. für die ganzen Veranstaltungen irrsinnig schlecht ist. Der Nils z.B. der sitzt da in der Kapelle und macht da Musikprogramm, im Auftrag von KuBaSta [Kunst Bauen Stadtentwicklung e.V.] und KuBaSta checkt noch nicht mal die Werbung, also, das funktioniert einfach nicht. Er beutet sich total selbst aus…. Oder Flashbox auf der Spreehafeninsel: Die wussten zwei Tage vorher noch nicht, wo sie ihren Strom herkriegen. Also das hätte ja nun Scholz&Friends oder ÜNN oder irgendwer vorher mal für die klarmachen können. Warum müssen die jetzt, als Aussteller gucken wo sie da Strom herkriegen für ihr Projekt und sich noch mit der Hamburg Port Authority [HPA] streiten? Das finde ich dann Schwachsinn. Also so viel Support muss da sein. Aber das funktioniert einfach nicht.

Es gibt ja das Argument, lieber das Geld zu nehmen, und ein gutes Projekt zu realisieren, als es jemand anderem zu überlassen, der im Zweifelfall irgendeinen Scheiß damit macht. Was haltet ihr davon?

Der Rahmen war ja immer relativ auf Festnageln angelegt. D.h. man hat ein Projekt, das man einreicht, und das darf man dann auch nicht mehr minimal verändern. Also, für die Künstler war das nicht drin. Aber die Projekte wurden dann andersrum von der IBA verändert. Z.B. diese Flashbox-Geschichte, die hatten eigentlich 20.000 Euro beantragt weil sie die Flashbox auf einem Ponton machen wollten. Dann hat die IBA ihnen aber nur 10.000 genehmigt. Da haben sie ewig herumorganisiert und mussten irgendwann feststellen, wir können nicht auf ein Ponton, und mussten das dann alles ganz anders machen. Solche Veränderungen sind dann in offenbar in Ordnung. Aber von Künstlerseite möge man sich haargenau an alle unterschriebenen Sachen halten. Und das sind ganz schön harte Verträge, die die Leute da unterschrieben haben. Das macht echt keinen Spaß.

Und das war euch bewusst? Das war ja vielen Künstlern gar nicht so bewusst, mit der IBA-Konvenion, und den Nutzungsrechten….

Naja, wir kannten die IBA-Konvention vorher nicht, aber das ging aus den Ausschreibungsunterlagen schon hervor, auch die Sache mit den Nutzungsrechten. Und dafür dann 2.000 Euro zu kriegen, das bringt’s dann einfach nicht. Ich meine, die Veranstaltungen die wir hier machen, der Druck der Einladungskarten, das trägt sich auch über den Getränkeverkauf. Und dann habe ich doch lieber gar kein Logo auf meinen Sachen.

Nun geht ihr ja noch weiter. Ihr sagt ja nicht nur, wir machen da nicht mit, weil sich unsere Veranstaltungen selber tragen, sondern ihr nennt diese Nummer hier auch IAA, Internationale Abriss-Ausstellung – das ist ja nicht zufällig…

Nein. Zum einen ist das hier natürlich auch durch unsere Situation gegeben. Die Halle hier wird abgerissen, da liegt das Thema nah, da war der Titel einfach folgerichtig. Wir haben noch andere Sachen überlegt. Talentschuppen, wegen dem tollen „Talentstadt Hamburg“- Konzept. Und dann haben wir überlegt, man will sich ja auch nicht zuviel auf die beziehen, das ist ja auch wieder scheiße. Gleichzeitig kommt das A natürlich vor dem B, und mal ganz im Ernst, man hat Kunst-Abriss-Stadtentwicklung… da kommt der Abriss auf jeden Fall vorher.

Und hat die IBA darauf in irgendeiner Form reagiert?

Nein, gar nicht. Vielleicht waren die ja am Wochenende undercover hier.

Ihr habt ihr so einige Zitate zum Thema Gentrifizierung hängen. Dazu eine Frage: Glaubt ihr, dass das funktionieren wird, was die hier vorhaben? Also gewissermaßen künstlich Aufwertungsprozesse anzukurbeln?

Naja, der Mechanismus der Gentrifizierung dauert ja normalerweise viel, viel länger, als das, was hier versucht wird, künstlich herzustellen oder zu beschleunigen. Das macht natürlich eigentlich entstehende Strukturen kaputt, weil es viel zu viel ist. Diese Dauerpenetration mit Projekten. Ich meine, woher soll das kommen? Wenn man sagt, okay, ich schmeiß’ da jetzt ohne Ende Geld rein, dann fehlt mir eigentlich erst mal das Material zum Verheizen. Also setze ich mich an den Elbtunnel oder an andere Orte, wo ich möglich viele Leute abgreifen kann. Dass das dann vom Niveau her vielleicht nicht ganz so ist, als wenn man da nicht so doll geschoben hätte, ist auch klar.

Was bedeutet denn eigentlich für den einzelnen Künstler der Versuch, die Kunst- und Kulturszene so aktiv für den Aufwertungsprozess zu instrumentalisieren?

Dass Kunst wirklich nur noch Mittel zum Zweck sein soll, um die Leute nach Wilhelmsburg zu locken. Das ist eine ganz blöde Milchmädchenrechnung. Ich habe das schon so oft beobachtet. Ich habe in Kreuzberg gewohnt, also auch die ganze Wanderung innerhalb Berlins mitgemacht. Aber da war das ein Prozess, der aus sich heraus entstanden ist. Nun soll Kunst hier also Motor der Stadtentwicklung ganz konsequent eingesetzt werden. Kulturelle Sukzession, Rolf Kellners Lieblingsbegrifflichkeit [üNN/KuBaSta]. Und dann lässt er sich fotografieren auf dem Dach von deren Büro, vor dem Mercedesstern, im Ledermantel, und sagt im Interview so Sachen wie, was das für ein toller Ort ist da oben, von wegen „von hier oben können wir alles überblicken und kontrollieren….“ da merkst Du auch, was das für Kontrollfreaks sind, da geht denen echt einer ab. Das ist echt beängstigend.

Was löst das unter den Kunstschaffenden aus? Gibt es da verschiedene Lager?

Klar, da gibt es genau diesen Konflikt. Ein Kollege an der Hochschule meinte zum Beispiel, man sollte diese Diskussion fernhalten von den Studenten. Ich habe ihm gesagt, die können selbst entscheiden, ob sie bei so einer Geschichte mitmachen wollen oder nicht, aber ich will sie schon informieren, in was für ein Umfeld sie sich da begeben. Darum habe ich auch diese Email geschrieben, von der ich vorhin erzählt habe. Und er meinte, nein, das sollte man von den Studenten fernhalten. Nach zwanzig Minuten Streit habe ich das Gespräch dann abgebrochen.

Es gibt Künstler die sagen, Geldgeber sind meistens irgendwelche Freaks und es ist relativ egal, wer meine Projekte finanziert. Es geht darum, was man damit macht.

Wir sprechen ja auch mit Sponsoren. Also wenn uns eine Firma mit Materialien sponsert, finde ich das völlig okay. Das ist auf jeden Fall etwas anderes, als von einer Organisation so bewusst hier eingesetzt zu werden. Die Firma, die uns die Materialien sponsert, will auch nicht mit auf dem Flyer stehen. Vielleicht können sie’s von der Steuer absetzen, das reicht denen dann aber auch. So eine Art von Sponsoring finde ich völlig okay. Ich habe mich aber nie und musste mich auch nie mit dem Kunstmarkt so beschäftigen. Klar, wenn Du Maler bist und einen Galeristen hast dann malst Du Deine Bilder auch, damit sie dann in der Galerie hängen und hast keinen Einfluss darauf, wer sie kauft. Ich habe meinen Job an der Hochschule und bin auch heilfroh darüber, dass ich mit meiner Kunst kein Geld verdienen muss. Dadurch bin ich aber natürlich auch in einer komischen Position, um so was zu kritisieren. Wenn Leute damit ihre Brötchen verdienen und das für die so geht, dann sollen sie das machen, aber dann sollen sie auch dazu stehen und sollen sich auch bewusst machen, in welchem Kontext sie sich bewegen. Ich meine Sixt ist jetzt sicher auch nicht 100% politisch korrekt. Die haben das Geländer hier gekauft und uns erlaubt, mit dem ganzen Schrott hier zu machen, was wir wollen. Da sagen wir auch nicht Nein.

Wie geht es weiter mit euch?

Naja, einige von uns wohnen ja auch hier. So einen Raum bekommen wir natürlich nie wieder…

Unser Verhältnis zu dieser ganzen IBA-Geschichte hat sich ja ganz interessant entwickelt. Zu erst mal haben wir schlechte Laune gekriegt und hatten gar keine Lust mehr, überhaupt noch irgendwas zu machen, uns überhaupt in irgendeiner Weise darauf zu beziehen. Aber dann haben wir gedacht, das kann’s ja auch nicht sein. Und haben doch wieder was gemacht. Aber unabhängig. Wie die ganzen Jahre schon. Wir haben immer wieder was gemacht. Man kann’s denen überlassen, und sagen, ich will damit nichts zu tun haben, und an dem Punkt waren wir ja auch Anfang des Jahres. Aber nun bin ich froh, dass wir doch was gemacht haben, das wir das durchgezogen haben.

Was nervt ist aber auch, dass das, was hier an Freiräumen existiert hat, und auch an Möglichkeiten, welche einzurichten, eigentlich komplett „aufgekauft“ worden ist. Es gibt eigentlich für Leute, die nicht der IBA angehören, kaum noch Möglichkeiten, hier überhaupt Räume zu bekommen. Wir haben das schon verschiedenen Leuten mitbekommen, dass Vermieter auf Anfragen hin sagen, dass ihnen eine langfristige Vermietung von der IBA oder KuBaSta in Aussicht gestellt wurde und ihre Räume daher nicht zur Verfügung stehen. So ist gerade die Lage hier. Die haben auch noch die letzten Potentiellen Freiräume hier richtig schön besetzt.

Web/Literatur

Gutachten der BSU und der Stadt Hamburg zum Thema „Kreative Milieus“: http://www.hamburg.de/contentblob/2052460/data/gutachten-kreative-milieus.pdf (SEHR AUFSCHLUSSREICH !)

Arbeitskreis Umstrukturierung Wilhelmsburg: Alles, alles verkehrt. 4 Kritikpunkte zur IBA (http://aku-wilhelmsburg.blog.de/)

Manifest, Not in Our Name Marke Hamburg (http://nionhh.wordpress.com/)

Ligna: Die IBA gewinnt immer (http://www.thing-hamburg.de/index.php?id=888)

Brigitta Huhnke: Wild-West in Wilhelmsburg. Kitsch oder gegenkulturelle Intervention? (http://www.thing-hamburg.de)

Museo Aero Solar sagt: Not In Our Name, IBA (http://www.rechtaufstadt.net/5584/museo-aero-solar-sagt-not-our-name-iba)

Zeittafel


2002

Ankündigung von Ole von Beust des Projekts „Wachsende Stadt“

2003

Internationaler Architekturworkshop zum Sprung über die Elbe

2003

Zuschlag für eine Bundesgartenschau 2013 in Wilhelmsburg

2006

Gründung der 100% städtischen IBA-GmbH

2007

Gründung der Gartenschau-GmbH (2/3 städtisch)

2007

1. Präsentationsjahr der IBA Hamburg mit dem „Kunst und Kultursommer“

2007

Erstes „IBA-Elbinsel-Festival“ auf dem Gelände des Fährstiegs

2008

Zweiter „IBA-Elbinselsommer“ mit Festival auf dem Gelände des Fährstiegs

2008

Beginn der IBA Kunstplattform mit dem Projekt „Kultur/Natur“

2009

Weiterführung der IBA Kunstplattform von der „Akademie einer anderen Stadt“

2010

Museo Aero Solar sagt: Not In Our Name, IBA

2011

Bettina Kiehn, Geschäftsführerin des Bürgerhaus Wilhelmsburg, erteilt der „IBA-Kultur“ eine Absage zur weiteren Zusammenarbeit

2013

Abschlussjahr beider Grossveranstaltungen: IBA+igs

Glossar

Glossar

HPA. Die Hamburg Port Authority (HPA) ist eine Anstalt öffentlichen Rechts. Sie ist für die Stadt Hamburg Eigentümerin des überwiegenden Teils der Hafengrundstücke und der Hafeninfrastruktur. Sie entstand am 1. Oktober 2005 aus dem früheren Amt für Strom- und Hafenbau der Wirtschaftsbehörde. Die HPA ist für die behördlichen Belange des Hamburger Hafens zuständig. Mit gut 1.900 Beschäftigten betreibt die HPA das Hafenmanagement und ist Ansprechpartner für alle Fragen der wasser- und landseitigen Infrastruktur, der Sicherheit des Schiffsverkehrs, der Hafenbahnanlagen, des Immobilienmanagements und der wirtschaftlichen Bedingungen im Hafen.“ (Wikipedia)

IBA Hamburg.
„Die IBA Hamburg ist die Internationale Bauausstellung in Hamburg im Zeitraum von 2007 bis 2013. Sie findet in den Stadtteilen Wilhelmsburg und Veddel sowie im Binnenhafen von Harburg statt.“ Unter dem Motto „Entwürfe für die Zukunft der Metropole“ will sie sich nach eigenen Angaben der „europäischen Metropole im 21. Jahrhundert“ widmen und sich den hier konzentrierenden städtebaulichen und stadtpolitischen Herausforderungen stellen. Mit baulichen, sozialen und kulturellen Projekten will sie zeigen, „wie die Metropole von morgen auf die Herausforderungen von Globalisierung, Polarisierung und Klimawandel reagieren kann“.

So jedenfalls die Selbstdarstellung. Als 100-prozentige Tochtergesellschaft der Freien und Hansestadt Hamburg ist die IBA Hamburg GmbH mit der Realisation der Bauausstellung beauftragt, wobei der Verkauf städtischer Grundstücke an Investoren ein wesentlicher Bestandteil ist; finanziert wird das Vorhaben mit 100 Millionen Euro aus Sonderinvestitionsprogrammen der Freien und Hansestadt Hamburg. Der Begriff IBA ist nicht geschützt, derartige „Ausstellungen“ unterliegen keiner zeitlichen Koordination und keinen Qualitätsstandards. Inzwischen ist die IBA ein Synonym für Gentrifizierung, d.h. Umstrukturierung, Verdrängung von ärmeren Teilen der Bevölkerung und Aufwertung einzelner Quartiere Wilhelmsburgs geworden. (http:// www.iba-hamburg.de)

igs 2013. Zunächst als IGA (Internationale Gartenbau-Ausstellung) geplant. Dafür erhielt Hamburg allerdings keinen Zuschlag. Es wird nun eine BuGa (Bundesgartenschau) abgehalten, die in Anlehnung an den entgangenen Titel „igs“ (Internationale Gartenschau) genannt wird. Eine BuGa ist eine Ausstellung zu den Themen Garten, Landschaftsarchitektur, Landschaftsbau, Pflanzenzucht und Gartengeräte/-möbel. Üblicherweise werden diese Leistungsschauen der betreffenden Gewerke mit nicht geringen öffentlichen Mitteln gefördert. Die Idee einer Gartenschau 2013 mit einer Stadtteilentwicklungskomponente in Wilhelmsburg wurde ca. 2000 publik und stammte aus der damals noch unabhängigen Umweltbehörde. Die Baubehörde reagierte zeitverzögert mit dem Ausruf einer IBA – zur selben Zeit am selben Ort. Mittlerweile ist die Umweltbehörde von der Baubehörde (feindlich) übernommen: die BSU (Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt) beaufsichtigt IBA und Gartenschau. Beide haben die Rechtsform einer GmbH.

Das vormals öffentliche Gelände, auf der die Gartenschau stattfinden soll (ca. 100 ha), ist der GmbH anhand gegeben worden, was deutlich macht, dass es um den Verkauf der Flächen geht (http://real-estate.hamburg.de/anhandgabe/).
Die Gesellschaft hat einen Durchführungshaushalt, der auf Krediten beruht. Seit dem Beginn der Bauphase wurden auf dem „igs-Gelände“ viele tausend Bäume gefällt, Sträucher gerodet, Biotope trockengelegt und zerstört, große Mengen Abraum aufgeschüttet, Hunderte von Kleingärtner_innen vertrieben und große Flächen der „neuen Mitte“ Wilhelmsburgs eingezäunt und für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Diese Auswirkungen und die rohe Gangart der igs wird inzwischen auch von der lokalen Öffentlichkeit kritisiert.(http://www. igs2013.de)

„Akademie einer anderen Stadt“, die IBA Kunstplattform (ab 2009) http://www.mitwisser.net/system/category/texte

Südbalkon –Förderkoje für Kunst und Kultur (http://www.südbalkon.org/)
„Es ist nicht mehr wie noch vor einem Jahr. Alle unsere Bemühungen der letzten Wochen um einen neuen Treffpunkt erbrachten nur Erkenntnisse über zu teure Mieten hier bei uns in Wilhelmsburg.“

Insel-Lichtspiele e.V., mobiles Kino für die Elbinsel, Filmreihe „Wem gehört die Stadt“ (2010) „Unter diesem Motto zeigt das mobile Kino Insel-Lichtspiele e.V. regionales und internationales Filmwerk, als Freiluft- und als Indoor-Kino. Dokumentationen und Spielfilme beleuchten die Themen Stadtentwicklung / Gentrifizierung / Umstrukturierung. Die Film- und Veranstaltungsreihe versucht, hinter die Kulissen zu schauen: Neben Filmen sollen Diskussionen, Stadtteiltouren und eine Fotoausstellung Perspektiven und Alternativen aufzeigen. Die Veranstaltungsorte liegen inmitten der Planungsgebiete der Internationalen Bauausstellung und der Internationalen Gartenschau, die hier in Wilhelmsburg stattfinden.“ (http://www. Insel-lichtspiele.de)

KünstlerCommunity Wilhelmsburg. „Kunst- & Kreativzentrum Veringhöfe. Als internationale Gemeinschaft haben sich Künstler und Kreative im Jahr 2010 zusammengeschlossen, um bis 2012 in Wilhelmsburg ein Zentrum für Kunst und Kreativität entstehen zu lassen – einen attraktiven Ort mit begeisterungsfähigen Menschen und nutzerfreundlichen Produktionsmöglichkeiten. Von Seiten der IBA Hamburg sollen die Veringhöfe dazu bis 2012 bei einfachstem Innenausbau energetisch saniert werden, um auch langfristig ein interessantes Mietniveau für Künstler und Start-Up-Unternehmen aus der Kreativwirtschaft zu garantieren.
Das IBA-Projekt wird unter dem Titel KünstlerCommunity Wilhelmsburg von den Projektentwicklern conecco UG – Management städtischer Kultur und STATTBAU Hamburg GmbH umgesetzt. Ziel ist die modellhafte Entwicklung von „Räumen für die Kunst“ sowie die Schaffung dauerhafter Strukturen für Künstler und Kulturproduzenten auf den Elbinseln.“ (http://www.veringhoefe.de/)

Kultur |Natur: Kunst und Philosophie im Kontext der Stadtentwicklung(2008) (http://www.natur-kultur.net/)

Ligna. http://ligna.blogspot.com/: „Die Gruppe LIGNA existiert seit 1997 und besteht aus den Medien- und Performancekünstlern Ole Frahm, Michael Hüners und Torsten Michaelsen. […] Allen Arbeiten von LIGNA ist gemein, dass sie ihr Publikum als zerstreutes Kollektiv von ProduzentInnen begreifen. In temporären Assoziationen kann es unvorhersehbare, unkontrollierbare Effekte hervorbringen, die die Ordnung eines Raumes herausfordern.“
Not in our Name, Marke Hamburg!. Manifest auf: http://nionhh.wordpress.com/about/

Soulkitchen-Halle. http://www.facebook.com/Soulkitchenhalle#!/Soulkitchenhalle?sk=info

Universität der Nachbarschaften / HCU Hamburg. Zitat HCU-Internetseite: „Kampnagel wird in unregelmäßigen Abständen Performances in dem ehemaligen Wilhelmsburger Gesundheitsamt veranstalten. Den Auftakt gestaltet die Wiener Performance-Gang God´s Entertainment. Getreu dem Motto „Kunst als Erreger“ treiben sie ihr Unwesen in dem Gebäude. Aus Motiven des Films „Shivers“ von David Cronenberg entwickeln die Unterhaltungskünstler eine ansteckende Performancereise in die eigenen inneren und andere unbekannte Welten. Im Vorfeld werden Gerüche und Gerüchte gestreut, die auf symbolischer Ebene die berechtigten Ängste der Anwohner vor der Gentrifizierung Wilhelmsburgs widerspiegeln. God´s Entertainment wird auf Wilhelmsburg losgelassen: da werden Kontakte geknüpft, Komplizenschaften geschmiedet und eine Impfstelle gegen „Antiismus“ eingerichtet. Jugendprojekte, Altersheime und die direkte Nachbarschaft, sowie andere Künstler können und sollen „angesteckt“ werden. Angesteckt mit der Idee, das leere Gebäude wieder zu beleben. Diese Strategie ist als Kick-Off für eine Serie von Performances in dem Gebäude hilfreich, da sie Grenzen in den Köpfen abbaut. Ohne Schirm, mit viel Charme und eventuell einer Melone.“ (siehe: http://udn.hcu-hamburg.de/wordpress/?cat=17)

Auszug aus Interview mit Ulf Freyhoff et al./ Institut für Telenautik und IBAfluessig anlässlich der Internationalen Abriss Ausstellung (IAA) in der Jaffestraße/Wilhelmsburg:

„Was nervt ist aber auch, dass das, was hier an Freiräumen existiert hat, und auch an Möglichkeiten, welche einzurichten, eigentlich komplett „aufgekauft“ worden ist. Es gibt eigentlich für Leute, die nicht der IBA angehören, kaum noch Möglichkeiten, hier überhaupt Räume zu bekommen. Wir haben schon verschiedenen Leuten mitbekommen, dass Vermieter auf Anfragen hin sagen, dass ihnen eine langfristige Vermietung von der IBA oder KuBaSta in Aussicht gestellt wurde und ihre Räume daher nicht zur Verfügung stehen. So ist gerade die Lage hier. Die haben auch noch die letzten potentiellen Freiräume hier richtig schön besetzt.“